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Alter oder neuer Weg?

Meine größte Angst war es, mit kranken Menschen zusammenzuarbeiten. Klingt komisch, jetzt, wo ich doch genau DAS mache. Ich weiß. Dazu möchte ich Ihnen gerne einen persönlichen Einblick in meine Geschichte zur Psychotherapeutin geben.

traumberuf Tierärztin

Ich wollte Tierärztin werden. Schon seitdem ich denken kann. In der Schule habe ich ein Praktikum bei einer Tierärztin gemacht und bin dann mehrere Jahre jeden Donnerstag nach der Schule zu ihr um weiterhin etwas über den Beruf zu lernen. Dann kam die Realität dazwischen, meine Abiturnote war nicht die geforderte 1,0, die für die Zulassung zum Tiermedizinstudium notwendig war. Also habe ich eine Ausbildung zur Chemielaborantin gemacht um meine Chemiekenntnisse zu erweitern. Denn ich wusste, dass Chemie im Tiermedizinstudium wichtig war. Meinen Traum hatte ich auch damals noch nicht aufgegeben. Ich war fest davon überzeugt Tierärztin zu werden und nahm eine dreijährige Ausbildung in Kauf, während dieser ich Wartesemester sammeln konnte. Meine Hoffnung war, dass ich nach drei Jahren hätte anfangen können zu studieren. Doch auch dieses Mal kam die Realität dazwischen. Nach drei Jahren Ausbildung und Warten bekam ich erneut von der ZVS (Zentralevergabestelle für Studienplätze) eine Absage. Da wurde mir klar, dass ich mir einen anderen Beruf auswählen musste. Ich suchte also im Internet und informierte mich über unterschiedliche Studiengänge.

Psychologie - "Da wirst Du doch selbst krank!

Neben Biologie und Kulturwirtschaft fand ich Psychologie ziemlich spannend. Gesucht, getan, ich bewarb mich für das Studium der Psychologie...und wurde genommen. Ziemlich schnell wurde mir dann bewusst, dass der Beruf, den Psychologen ausüben, meistens mit kranken Menschen zu tun hatte. Da packte mich die Angst und es überfluteten mich ziemlich viele hartnäckige Glaubenssätze: "Da wirst du ja selbst krank, wenn du mit diesen Menschen arbeiten musst", "Ich hab doch nix am Kopf" (Stigmatisierung Olé!!), "Da muss ich mir den ganzen Tag die Sorgen  der anderen Menschen anhören", "Das schaff ich nicht", "Hilfe, ich werde selbst krank". Das führte dazu, dass ich Vorlesungen, in denen es um psychische Krankheiten ging, mied und meine Angst dadurch nicht weniger wurde. Meine Angst und die ungelösten Glaubenssätze führten dann auch dazu, dass ich mir nach dem Studium einen Job in der Wirtschaft gesucht habe und total unglücklich wurde.

Tschüß alter weg - Hallo neuer weg!

Daraufhin bin ich noch einmal gedanklich zu meinen Glaubenssätzen aus dem Studium gegangen und habe diese bearbeitet. Abschließend habe ich zu mir gesagt: "Wenn ich es nicht ausprobiere, dann weiß ich nie wie es sein wird." Ich entschied mich also für den neuen Weg, statt den alten Weg der Angst zu gehen. Das war die Geburtsstunde auf meinem Weg zur Psychotherapeutin. Ich habe also ausprobiert, wie es ist mit "kranken" Menschen zu arbeiten und ob ich das wirklich nicht schaffe. Und ich kann sagen: YES!! Beste Entscheidung ever! Ich liebe meinen Job! Zum Glück habe ich meine Angst in diesem Fall überwinden können und mich getraut dorthin zu gehen, wovor ich am meisten Angst hatte.

 

Manchmal ist unsere größte Angst auch der Wegweiser zu unserem (größten) Glück!

 

Nicole Jungbauer

Welche Situationen haben Sie in Ihrem Leben gemeistert, obwohl Sie große Angst davor hatten? Schreiben Sie uns gerne einen Kommentar!

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