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Resilienz - unser mentales Immunsystem!

Kennen Sie diesen Spruch: Hinfallen, Aufstehen, Krone richten und weiterlaufen? Zum Beispiel im Zusammenhang mit einer Partnerschaft, die NICHT von Ihnen beendet wurde? Wie kam es dazu, dass Sie am Ende mit der Krone auf dem Kopf weiterlaufen und noch stärker sind als zuvor?

ohne krise keine resilienz!

In der Psychologie verstehen wir unter Resilienz die Fähigkeit, erfolgreich mit belastenden Lebensumständen und negativen Folgen von Stress umzugehen (Wustmann, 2004), sowie Krisen in unserem Leben als Anlass zur Entwicklung zu nutzen (Welter Enderlin, 2006). Resiliente Menschen können auf Anforderungen des Lebens flexibel reagieren, sich anpassen und gestärkt aus dieser Situation herausgehen. Ein Beispiel für ein belastendes Lebensereignis, das bestimmt schon viele von uns erlebt haben ist, wenn eine Beziehung  zerbricht, die wir von uns aus nicht beendet hätten. Dann geraten wir in eine Krise, der Boden unter unseren Füßen fängt an zu wackeln und wir haben das Gefühl, dass alles, was wir uns aufgebaut und erarbeitet haben mit einem Wimpernschlag zusammenbricht. Wir befinden uns im puren Stressmodus. Es liegt an uns und unseren persönlichen Ressourcen, was wir aus diesem belastenden Lebensereignis machen. Dabei ist es entscheidend, welche Bewertung wir diesem Ereignis geben. Wie schlimm ist es für uns von diesem Menschen verlassen zu werden? Welche Überzeugungen haben wir darüber, wie das Leben weitergeht? Wie sehr sind wir davon überzeugt wieder einen Partner zu finden? Wichtig zu wissen ist auch, dass unsere innere Widerstandsfähigkeit keine Persönlichkeitseigenschaft, sondern an zwei Bedingungen geknüpft ist (Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse, 2011):

 

1. Wir erleben eine Risikosituation. (Wir werden von unserem Partner verlassen.)

2. Wir kommen gut über die Trennung hinweg, weil wir die Fähigkeiten dazu haben.

 

Da schließt sich bei Ihnen (und auch bei mir) vielleicht gleich die nächste Frage an: "Kann ich das lernen? Als ich von meinem letzten Partner verlassen wurde, hatte ich überhaupt nicht das Gefühl, die Fähigkeiten zu haben, darüber hinweg zu kommen."

Da gibt es gleich zwei gute Nachrichten: Sie haben diese Situation offensichtlich überlebt und die Fähigkeiten gehabt, die Krise zu bewältigen (auch wenn Sie noch nicht genau wissen, welche das waren). Die zweite gute Nachricht ist, dass wir zu jedem Zeitpunkt in unserem Leben lernen können, mit schwierigen Situationen umzugehen. Das tun wir, indem wir durch die Krisen gehen. Learning by doing sozusagen. Wir erkennen erst im Nachhinein, welche inneren Stärken uns geholfen haben eine schwierige Situation zu bewältigen. Eine Krise kann auch ganz entscheidend zu unserem persönlichen Wachstum beitragen. Sie hätten wahrscheinlich nicht all die Dinge geschafft und wären nicht an diesem Punkt in Ihrem Leben, hätte Sie Ihr damaliger Partner nicht verlassen.

Auch in meinem Leben gab es einige Krisen und ohne sie wäre ich jetzt keine Psychologin, hätte nicht meine Erfüllung darin gefunden, andere Menschen auf Ihrem persönlichen (Erfolgs)Weg zu begleiten und würde diesen Blogeintrag nicht schreiben. Sie sehen, Krisen können auch sehr bereichernd sein und uns auf unseren Weg (zurück)bringen. Denn ohne Krise entsteht keine Veränderung, kein inneres Wachstum und auch keine Resilienz. 

vitamine, die unser mentales immunsystem stärken

Krisen sind also notwendig, um geeignete Bewältigungsstrategien zu entwickeln, die uns dabei helfen, für die nächste Krise mental gewappnet zu sein (Ja, die nächste Krise wird kommen. Ganz sicher!). Dabei ist es von Mensch zu Mensch unterschiedlich, welche Situation als Krise bewertet wird und welche Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen. Die Situation an sich können wir nicht ändern, aber es gibt Eigenschaften, die wir üben können, um resilient zu werden (und zu bleiben).

 

Die Forschung zum Thema Resilienz und welche Faktoren diese ausmachen ist noch jung und es kommen ganz unterschiedliche Ergebnisse zusammen. Ich möchte Ihnen gerne sieben Faktoren der Resilienz vorstellen. Diese wurden von Bea Engelmann entwickelt. Sie hat Ergebnisse ihrer eigenen Forschung zu Glück und Mut, sowie die von Dr. Karen Revich und Dr. Andrew Shatté (2002) zu den Säulen der Resilienz vereint. 

Wir gelangen zu einem starken Selbst durch diese sieben Wege: Selbstwahrnehmung, Lebensfreude,Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, Optimismus, Coping und Empathie. Zu jedem Punkt gibt es eine ganze Reihe Übungen, die ich auch mit meinen Klienten ausprobiert habe und welche gut angekommen sind. Einige davon möchte ich gerne mit Ihnen teilen. Eine Übung finden Sie in meinem Blogeintrag: Lebensfreude stärkt unsere psychische Widerstandskraft  oder in einem Artikel meiner Kollegin: Dankbarkeit

Nicole Jungbauer

Welche Fähigkeit hat Ihnen durch Ihre letzte Krise geholfen? Welche Stärken konnten Sie an sich feststellen? Ich freue mich auf einen Beitrag von Ihnen im Kommentar.

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