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Achtsamkeit - Wie Sie den Autopiloten auf die Rückbank setzen

Sie steigen morgens in Ihr Auto um zur Arbeit zu fahren. Während Sie den Motor anlassen, denken Sie daran, was Sie noch vor dem ersten Meeting erledigen müssen. Die Präsentation braucht noch den letzten Schliff und Ihre E-Mails müssen Sie noch checken. Außerdem wissen Sie noch nicht, was Sie heute Abend kochen sollen. Ach ja, Ihre Freundin wartet auch noch auf einen Rückruf von Ihnen. 

Auf der Arbeit angekommen, wissen Sie gar nicht mehr genau, wie Sie eigentlich in  Ihr Büro gekommen sind. Kennen Sie diese oder eine ähnliche Situation?

Oft fällt es uns schwer zu entspannen, wenn wir noch so viel zu erledigen haben und die Gedanken sich nicht stoppen lassen. Eine Methode, die uns helfen kann, den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen und im Hier und Jetzt zu sein, ist die Achtsamkeit. 

Während meiner Arbeit mit Klienten ist mir aufgefallen, dass das Wort oder die Methode "Achtsamkeit" bekannt ist und die Menschen in zwei Lager teilt: wohlgesonnen interessiert versus abgeschreckt bzw. die Methode nicht ernst nehmend. Vorurteile sind z.B. Achtsamkeit sei "esotherisch" und bringe nichts. Auch wenn es einige Skeptiker gibt, so haben sich die meisten der Klienten, mit denen ich gearbeitet habe, im Laufe der Stunden auf die Übungen und Aufgaben eingelassen und konnten etwas für sich mitnehmen. Das freut mich sehr und ist unter anderem ein Grund, weshalb ich mit diesem Ansatz gerne weiterarbeiten und Ihnen einen Einblick in die Methodik der Achtsamkeit geben möchte.

Wie können wir es schaffen, vom Autopilot-Modus im Hier und jetzt anzukommen?

...indem wir unsere Aufmerksamkeit bewusst steuern und uns auf Dinge konzentrieren, die jetzt in diesem Moment passieren. Das hört sich sehr einfach an, doch in der Praxis fällt es vielen Menschen schwer. Ich beobachte mich oft dabei, dass ich zum Beispiel die Spülmaschine ausräume und dabei daran denke, dass ich am Abend noch die Steuererklärung machen muss (und das bereitet mir wirklich keine gute Laune). Besser für mich und meine Stimmung wäre es also, mich auf das Ausräumen der Spülmaschine zu konzentrieren. Wenn wir es schaffen, unsere Aufmerksamkeit wieder in den gegenwärtigen Moment zu holen, nehmen wir uns gegenüber eine selbstfürsorgliche Haltung ein. Indem ich mit meiner Aufmerksamkeit beim Ausräumen der Spülmaschine bleibe, bekomme ich keine schlechte Laune und gerate nicht in Stress, weil ich nicht daran denke, was ich am Abend noch zu tun habe. 

achtsamkeit - ein neurologischer erklärungsansatz

Hirnwissenschaftlich kann das mit der Neuroplastizität erklärt werden: Was wir denken, was wir tun und wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken, verändert die Struktur und die Funktion unseres Gehirns.

Ich erkläre das auch gerne mit den Autobahnen (unsere Nervenbahnen) im Gehirn, die unterschiedlich groß und breit sind. Wir haben bestimmte Handlungs- und Denkmuster im Laufe unseres Lebens erworben (was wir denken und was wir tun). Das sind die großen und breiten Autobahnen. Wir sind es also zum Beispiel gewohnt, etwas zu tun und dabei an etwas anderes zu denken. Mit der Übung der Achtsamkeit bauen wir uns kleine Ausfahrten an die dicken Autobahnen. Wir fangen an, aus den Denkmustern auszusteigen, indem wir zum Beispiel kurz innehalten, uns auf den Atem konzentrieren, so unser Denken unterbrechen und eine Ausfahrt nehmen (Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auf unseren Atem). Diese Ausfahrt auf eine andere Straße ist noch klein und die Straße dünn. Deshalb brauchen wir Übung. Je öfter wir die große und breite Autobahn verlassen (unsere Aufmerksamkeit selbst lenken) und je mehr wir die neue Straße befahren, desto breiter wird sie. Es geht darum, uns bewusst zu machen, was gerade passiert und dann eine Entscheidung zu treffen, wie wir darauf reagieren wollen - die Entscheidung, im gegenwärtigen Moment zu bleiben. 

Was passiert, wenn wir uns in achtsamkeit üben?

Mit dem Üben von Achtsamkeit lernen wir auch das Annehmen von Gefühlen/Situationen/Gegebenheiten, wie sie gerade sind, ohne dabei in Bewertungen zu verfallen. Wir lernen, die unangenehmen Gedanken und Gefühle wahrzunehmen, zu akzeptieren, nicht zu bewerten und sie vorbeiziehen zu lassen. Dabei geht es darum, innerlich eine Distanz herzustellen, auch wenn ich das, was gerade passiert, nicht gutheiße. 

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass regelmäßiges Meditieren einen positiven Einfluss auf unseren Blutdruck, die Schmerzwahrnehmung, die Stimmung und die Konzentrationsfähigkeit hat. 

Achtsamkeitsübung für zu hause

Die Achtsamkeitsübungen sind vielfältig und lassen sich gut in den Alltag integrieren. Das ist wichtig, denn was hilft uns eine gute Methode, die wir leider nicht in unser Leben einbauen können? Deshalb ist es uns wichtig, eine Vielfalt an Übungen zu vermitteln, damit Sie sich das heraussuchen, was am besten zu Ihnen passt.

Nun möchte ich Ihnen gerne eine Achtsamkeitsübung vorstellen, die Sie jeden Tag mehrmals machen können ohne viel Zeit aufzubringen:

Alle roten Ampeln, die Ihnen in den nächsten Tagen begegnen, werden Ihr Übungspartner. Lächeln Sie an jeder roten Ampel. Versuchen Sie, das schönste Lächeln aus Ihnen herauszuholen. Dadurch wird die Endorphinausschüttung angeregt, Ihre Stimmung verbessert sich und Ihr Stresspegel sinkt.

Möchten Sie weitere Achtsamkeitsübungen in ihren Alltag integrieren?

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Achtsamkeitsübungen? Welche tun Ihnen besonders gut? Welche Veränderungen erfahren Sie durch Ihre achtsame Lebensweise? Ich freue mich über Ihre Kommentare!

 

Nicole Jungbauer 

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Kommentare: 2
  • #1

    Wisniewski Sieglinde Wisniewski (Dienstag, 09 Juni 2020 21:31)

    Ihre einführenden Worte haben mich gut angesprochen.

  • #2

    Nicole Jungbauer (Dienstag, 09 Juni 2020 21:49)

    Liebe Sieglinde,

    das freut mich. Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit Achtsamkeitsübungen gemacht?
    Viele Grüße,
    Nicole Jungbauer